Die Regionalbox

Digitale  Nahversorgungskonzepte  werden  aktuell als  Chance  für  ländliche  Räume gesehen und der erste digitale Supermarkt Deutschlands ohne Personal ist im Februar 2020 in Altengottern (1.017 Einwohner) in Thüringen entstanden. Doch die neue, nur 11 Quadratmeter große Regionalbox der österreichischen Supermarktkette Billa, die wir jetzt in Flattach (1.185 Einwohner) im Oberkärntner Mölltal entdeckt haben, ist viel cooler. 

Denn in diesem umgebauten Schiffscontainer sind neben den Dingen des täglichen Bedarfs vor allem Produkte von Bauern und Kleinproduzenten aus der Umgebung zu finden, die normalerweise zu wenig für eine Supermarkt-Listung produzieren. Und die Box ist frei und ohne die zusätzliche Nutzung einer Smartphone-App oder Kundenkarte zugänglich. Im Container führt ein Terminal die Kunden Schritt für Schritt durch den Bezahlvorgang. Dabei werden die Produkte einfach mittels Strichcodes selbst gescannt, zum Schluss wird in bar, per EC- bzw. Kreditkarte oder mit Paypal bezahlt. Für unverpackte Ware wie zum Beispiel einen Apfel oder zwei Karotten gibt es Schaltflächen auf dem Bildschirm.

Die Supermarkt-Regionalbox ist speziell für kleine Gemeinden entwickelt worden, wo es keinen Nahversorger mehr gibt und umfasst rund 200 Produkte. Zudem gibt es touristische Effekte: 

Gerade für Flattach als Ganzjahrestourismusgemeinde stellt die BILLA Regional Box nicht nur für unsere Bevölkerung, sondern auch für unsere Gäste eine optimale Ergänzung zur bestehenden Nahversorgung dar. Zudem liegt der Standort neben unserem Tourismusbüro sowie in unmittelbarer Nähe zu den Parkplätzen unseres Naturdenkmales ‚Raggaschlucht‘ nahezu ideal. Ich bin mir sicher, dass die Kundenfrequenz entsprechend hoch sein wird,“

erklärte der Bürgermeister von Flattach Kurt Schober laut Pressemeldung bei Eröffnung der ersten Regionalboxen am 14. April 2021 in seiner und weiteren drei Kärntner Gemeinden.

Das innovative Shop-Konzept entstand in Zusammenarbeit mit MyAcker, einem jungen Unternehmen aus Spittal aus der Drau, das bereits die AckerBox quasi als Vorläufer für die Regionalbox entwickelt hat, um ganz einfach regionale Produkte einkaufen zu können. Mittlerweile gibt es die Ackerbox in Österreich schon an 12 Standorten.

Angefangen hat MyAcker 2017 jedoch mit einem Online-Gemüsegarten, bei dem sich per Mausklick Gemüse anbauen und dann in echt ernten lässt. Die Beete werden dabei 1:1 wie auf der Webplattform vom User angelegt auf den richtigen Acker übertragen und können von zu Hause beobachtet und per Klick gepflegt werden. Entsprechende Informationen zu Reifefortschritt, Verkrautung, Schädlingsbefall und Bodenfeuchte werden von einer Steuereinheit am Feld in Echtzeit an den Onlinegärtner übermittelt. Nach der Ernte wird das Gemüse dann zugeschickt. Der reale Acker steht übrigens in Mühldorf ebenfalls im Mölltal und kann über eine Ackertour besichtigt werden.

Von Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

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