Die unternehmerische Methode

Was hat Regionalentwicklung mit Kochen zu tun hat? Vielleicht mehr als Sie denken.

Wobei beim Kochen gibt es ja zwei Methoden. Bei der ersten wählt man ein bestimmtes Gericht aus, besorgt sich die Zutaten und bereitet es dann nach Rezept zu. Bei der zweiten schaut man nach, was noch an Vorräten zu Hause vorhanden ist und macht etwas Leckeres daraus.

Das Kochbeispiel hat die Kognitionswissenschaftlerin Saras D. Sarasvathy verwendet, um die unternehmerische Methode Effectuation (frei übersetzt: Effekte erzielen) zu erklären, die sie erstmals 2001 im Academy of Management Review beschrieben hat. In Experimenten hatte sie untersucht, wie erfolgreiche Unternehmer ihre Entscheidungen treffen und dazu die laut ausgesprochenen Gedankengänge der Probanden mithilfe eines Diktiergerätes aufgezeichnet und ausgewertet. Doch anders als es die Management-Lehrbücher predigen, scheren sie sich nicht um Prognosen, fixe Ziele und Businesspläne. Echte Unternehmer legen einfach los und starten bei den bereits vorhandenen Mitteln (Ressourcen, Kompetenzen und Kontakte). Dabei nutzen sie Umstände und Zufälle geschickt aus, setzen auf Allianzen und Partnerschaften und haben auch ein mögliches Scheitern im Blick.

Effectuation (Mittelorientierung) steht damit in Kontrast zu herkömmlichen linear-kausalen Planungsmethoden (Zielorientierung) und kann besonders dann zum Einsatz kommen, wenn die Zukunft nur schwer oder gar nicht vorhersehbar ist und wenn etwas Neues entstehen oder ausprobiert werden soll. Das ist zum Beispiel bei einem Gründungsvorhaben, einem Innovations- oder einem Kooperationsprojekt der Fall.

Als Vorreiter im deutschsprachigen gilt der Unternehmensberater Michael Faschingbauer, der in seinem Buch Effectuation – Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln deutlich macht, dass die Methode auch außerhalb der klassischen Wirtschaft eingesetzt werden kann. Doch an eine konkrete Übertragung auf die Regionalentwicklung hat sich 2018 erstmals die Regionalmanagerin Melanie Darger gewagt und dafür in ihrer Masterarbeit „Effectuation – Unternehmerisches Denken und Handeln in der Regionalentwicklung“ u.a. die Regularien von LEADER, vom Regionalmanagement Bayern, der Öko-Modellregionen Bayern sowie der Initiative HeimatUnternehmen mit den Prinzipien von Effectuation verglichen.

Denn schließlich ist auch in der Regionalentwicklung unternehmerisches und flexibles Denken gefragt, so ihre Argumentation, und so gut wie immer ändern sich die Rahmenbedingungen während des Projektverlaufs. Starre Förderbedingungen und eine strikte Zielfixierung wie bei LEADER lassen da nur wenig Spielraum und viel Potenzial bleibt ungenutzt, hat sie kritisch analysiert. Deutlich flexibler hingegen ist das Regionalmanagement und sehr offen sind die Prozesse der Öko-Modellregionen und der HeimatUnternehmen gestaltet – hier liegt die Anwendungsmöglichkeit für Effectuation am höchsten.

„Zukünftig wird ein Nebeneinander der beiden Methoden als natürlichste Vorgehensweise anzustreben sein, also wenn möglich der Einsatz klassischer kausal-linearer Planung und Marktforschung gepaart mit einer größeren Ergebnisoffenheit und Nutzung zufälliger Ereignisse zur Erweiterung der Ressourcen und Möglichkeiten während des Projektverlaufs. Ziel muss es sein, für die Akteure in der Region möglichst angepasste Lösungen zu finden. Das funktioniert nicht, wenn Ideen so lange zugeschnitten und umgeformt werden, bis sie in die Tabellen und Formulare der Förderprogramme passen“, hat sie auf Seite 77 als Konsequenz für die Regionalentwicklung gezogen.

Von Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

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