Das Festival

Ob für Musik, Film, Theater, Food oder Wirtschaft und Innovation – Festivals boomen und sind das angesagte Veranstaltungs-Format. Aber warum ist das eigentlich so?

„Weil es gerade irgendwie spannend ist,“ hat mir Conny Wernitznig auf dem herausragenden ThinkTankRegion2018 erklärt (hier auch als Audio): „Es ist keine Konferenz oder Symposium, wo es nur darum geht, dass Du hingehst und Dir Vorträge anhörst, sondern bei einem Festival steht Netzwerken im Vordergrund. Du kannst Dir aussuchen, was Du Dir anhörst. Du kommst, Du gehst, wie es Dir gefällt. Du bleibst dort, wo Du Dich wohl fühlst. Du verweilst irgendwo länger, an anderen Plätzen kürzer. Du redest mit den Menschen, so wie ich jetzt mit Dir, die irgendwie da sind und man das Gefühl hat: Boah, man ist auf einer Wellenlänge und kann sich gegenseitig beflügeln und weiterbringen. Du trinkst einen Kaffee. Du hast Spaß. Du isst gut. Du kriegst coole Produkte zu sehen. Alles ist für eine kurze Zeit außergewöhnlich und das ist das Besondere an diesem Festivalformat.“

Conny ist die Geschäftsführerin der LEADER-Region Mühlviertler Kernland in Oberösterreich. Weil man heuer zehn Jahre Regionalentwicklungsarbeit feiert, wollte sie neue Wege gehen und hat gemeinsam mit ihrem Projekt-Team das „Festival für regionale Vordenkerinnen und Vordenker“ auf die Beine gestellt. Das erste Festival überhaupt, das sich speziell mit der Zukunft des Mühlviertels und von ländlichen und suburbanen Regionen auseinandersetzt. Rund 700 Besucher kamen am 9. und 10. November nach Rainbach (2.959 Einwohner) in die High-Tech-Batteriefabrik der Kreisel-Brüder („besser als Tesla“), wo knapp 100 Pioniere, Experten und besondere Initiativen auf den Bühnen standen.

Ähnlich wie bei den legendären TED-Talks oder wie früher bei der Küchenparty in der WG war hier Offenheit das Besondere und dass unterschiedliche Kompetenzen, Sicht- und Denkweisen aufeinander trafen: Eben nicht „nur“ Regionalentwickler (Gefahr der Filterblase), sondern Gründer, Unternehmer, Wissenschaftler, Bürgermeister, Politiker, Lehrer, Künstler, Landwirte, Gastronomen und überraschender Weise viele engagierte Frauen und junge Leute. Und durch Vielfalt können eben mehr Innovationen entstehen, wie man durch die Forschungen von Soziologie-Professor Scott E. Page (The Difference) weiß.

In hochkarätigen Stage Acts (Keynotes, Impulse, Interviews, Podiumsrunden, Storytelling, Science Slams, Talks, Videobotschaften u.a. vom Bundespräsidenten) wurden die Themen Regionalentwicklung der Zukunft, neue Technologien und Digitalisierung, Energie und Mobilität, Bildung, Finanzierung von Aktivitäten in der Region, Landwirtschaft, Vielfalt, Frauen, Wohnen und Arbeiten in der Region und Mindset der Zukunft diskutiert. Wer wollte, konnte die Speaker beim Heavy Coaching weiter löchern – das Programm lief unterdessen einfach weiter. Zusätzlich gab es einen Impuls-Workshop, ein Klimasymposium des Energiebezirks und eine Startup-Schau auf Paletten mit Rädern, „weil Stillstand ja langweilig ist“.

Neben den Fachinformationen sorgten Specials wie Kickertisch, Fotobox, Schnellkarikaturist, Bars und Food-Trucks vor der Fabrikhalle für gute Stimmung. Am Abend wurde dann bei der Festival-Gala mit Mühlviertlerisch Tafeln und anschließender Partynacht bei Live-Musik gefeiert. Und am nächsten Morgen ging es mit Beats und Clubbing Breakfast weiter. Nur müde werden war in der Batteriefabrik natürlich streng verboten!

Übrigens hat mir Conny noch verraten, dass das Festival nur durchgeführt werden konnte, weil ein Unternehmen aus der Region die Vorfinanzierung übernommen hat und man ahnt bereits, wer so großzügig gewesen ist. Erst dann haben sie sich als gemeinnütziger Verein „drüber getraut“ und im Sommer mit den Vorbereitungen beginnen können.


Foto: Erwin Pramhofer

Von Jens Lilienbecker

Was? Wie? Warum? Bei unserem Büro für Geographie und Kommunikation beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Trends und zeige auf Zukunft der Region Chancen und Potentiale für Regionen und Gemeinden im ländlichen Raum.

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